Ein Mensch, nichts wissend von Mormone Schaut deshalb nach im Lexikone Und hätt es dort auch rasch gefunden – Jedoch er weiß, nach drei, vier Stunden Von den Mormonen keine Silbe – Dafür fast alles über Milbe, Von Mississipi, Mohr und Maus: Im ganzen „M“ kennt er sich aus. Auch was ihn sonst gekümmert nie, Physik zum Beispiel und Chemie, Liest er jetzt nach, es fesselt ihn: Was ist das: Monochloramin? „Such unter Hydrazin“, steht da. Schon greift der Mensch zum Bande „H“ Und schlägt so eine neue Brücke Zu ungeahntem Wissensglücke. Jäh fällt ihm ein bei den Hormonen Er sucht ja eigentlich: Mormonen! Er blättert müd und überwacht: Mann, Morpheus, Mohn und Mitternacht … Hätt weiter noch geschmökert gern, Kam bloß noch bis zu Morgenstern Und da verneigte er sich tief Noch vor dem Dichter – und – entschlief.

Die Bilder unserer Ahnen, die uns immer wieder mahnen, dass auch unser kurzes Leben nicht auf Dauer ist gegeben. Ihre Mühen, ihre Nöte und Sorgen, sind auch die unsren – jeden Morgen. Was sie an Liebe und Hass hatten, wirft heute bei uns seine Schatten. Ihre Geschichte, ihr Glück und Erleiden, können sich von unseren nie unterscheiden. Sie wirken in uns, sind die gleichen geblieben. Ihr Leben ist in das unsere geschrieben! Und alle folgenden Generationen haben die Ahnen in sich wohnen! Ohne sie wären wir nicht hier, warum wir auch, und ohne Gezier sie alle so nehmen sollen, wie sie waren, ohne viel unnötig trennende Gebahren, Abwenden, Aufrechnen und Vergessen. Wer ist schon so vermessen, zu sagen: Wir sind von Fehlern frei? Der sollte herabsteigen von seiner Kanzlei! Wir sind vom selben Stamm, der selben Mutter, vom selben Schiff, vom selben Kutter, vom selben Vater, vom selben Baum, vom selben Himmel, vom selben Traum. Und wenn wir uns die Hände reichen müssen Ängste und Sorgen weichen! Egal aus welcher Stadt, aus welchem Land, wir sind doch alle verwandt!Herr Kreitlein ging, vor Jahren schon mit fünfundsechzig in Pension; aus Langeweile sah er drum, sich bald nach einem Hobby um. Hierbei geriet er irgendwie an seine Ahnengalerie. Das war was wirklich Interessantes, was völlig Neues , Unbekanntes und er beschloß sogleich, deswegen sich einen Stammbaum anzulegen. Er stöberte in Stadtarchiven, in Chroniken, in alten Briefen; nahm sich bei manchem Dorfpastor die dicken Kirchenbücher vor und drang bei der Gelegenheit weit, weit in die Vergangenheit. Er fand zwei Schneider, einen Wirt, vier Bauern, einen Schweinehirt, je einen Küster, Müller, Bäcker, drei Schmiede, einen Schieferdecker, dann einen fürstlichen Lakai, ein Postillion war auch dabei, ein Vorfahr war sogar Minister, zwei andere lebten als Magister, dann gab es ein paar Grenadiere, zwei Musikanten, zwei Barbiere, drei Metzger, und im blinden Eifer, fand er noch einen Scherenschleifer. Es war ein Baum mit vielen Zweigen, von Nebentrieben ganz zu schweigen, Herr Kreitlein brauchte viel Papier, viel Tinte und Geduld dafür. Er kam bis fünfzehnhundertneun, doch dann schien es vorbei zu sein, denn hier versiegten alle Quellen, es war kein Ahn` mehr festzustellen. D`rauf stieg Herr Kreitlein in den Zug, der ihn ins ferne Hamburg trug, zu Doktor Doktor Dusterwald, der als ein Fachexperte galt. Er bat ihn in bewegten Worten, des Stammbaums Wurzelpfahl zu orten, beziehungsweise jenen Mann, mit dem die Reihe einst begann. Der Doktor lächelte jovial; „Verehrtester, nun geh`n Sie mal, in uns`ren weltbekannten Zoo, gleich vorne an, Abteilung zwo.“ Herr Kreitlein fand dies sonderbar, doch weil er schon in Hamburg war, begab er sich am gleichen Tag zu Hagenbeck, ihn traf der Schlag! Da saß in seiner Käfig-Villa ein Affe, nämlich ein Gorilla, er blickte traurig und verwundert in unser zwanzigstes Jahrhundert, fing Läuse und verschlang Bananen, Herr Kreitlein forscht nicht mehr nach Ahnen.